Eine besondere Rolle nimmt dabei die Hochschule für Gestaltung Ulm (HfG Ulm, 1953-1968) ein, an der McBride 1965/66 im Fach Fotoreportage unterrichtete. Doch es ist nicht dieser Umstand oder weitere personelle Verbindungen, sondern die Einschätzung, dass McBrides Arbeit eine ebenso große gesellschaftliche Bedeutung einnimmt, wie sie mit der HfG Ulm verbunden wurde: Helfen, das Bild eines neuen Menschen hervorzubringen. Bei McBride waren es kein Hocker oder die Architektur eines Hauses, sondern die Bildsprache. Erdmann Ziegler verknüpft daher die Themen und Kompositionen direkt mit McBrides Position. Es konnte nur der Blick eines Amerikaners sein, der dieses Bild von Deutschland machte: „Will McBride blieb nicht in Deutschland, um Deutscher zu werden. Ganz im Gegenteil, er installierte sich hier als Amerikaner – eine transatlantische Mission“, schreibt Erdmann Ziegler. Im Gepäck Freiheit als ur-amerikanisches, pathetisches Narrativ. Dementsprechend seien auch die Fotos zu „Jazz auf dem Fluß“ mehr als nur eine Bildstrecke: „Für ihn war Riverboat Shuffle nicht Lifestyle, sondern Idee, ein amerikanisch-deutsches Amalgam, der multiple Ausdruck eines Ichs auf der Suche nach einem Gesellschaftsvertrag.“ Das klingt ziemlich dick aufgetragen, ist aber eine Interpretation mit realem Kern, gestützt durch die gesellschaftlichen Entwicklungen im Land und flankiert durch den gleichzeitig stattfindenden Einzug der Popkultur, die eben keine Populär- oder Alltagskultur mehr war, auf dem zweiten Bildungsweg durch die Alliierten.

Aus: Mit der Freiheit im Gepäck